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| Tur Abdin – Heimat der syrisch-orthodoxen Christen der
Türkei Geschichte und Situation des Christentums in der Türkei |
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Die 63,5 Millionen Einwohner der Türkei sind zu 85 – 95 % muslimischen Glaubens, nur eine Minderheit von etwa 0,2% sind Christen. Hauptsiedlungsgebiet der Christen ist zum einen Istanbul, zum anderen der Tur Abdin im Südosten der Türkei. Einschneidende Ereignisse im Laufe des 20. Jh. haben die einstmals große Anzahl an Christen drastisch reduziert. Mit der jungtürkischen Revolution von 1909 und dem anschließenden nationalistisch-fundamentalistischen Pan-Türkismus wurde eine systematische Verfolgung der Christen grundgelegt. Diese gipfelte in den Jahren 1915/16 in einem Völkermord, dem 1,5 Millionen armenische Christen und 500.000 syrisch-orthodoxe Christen zum Opfer fielen. Obwohl dieser Genozid auch gut wissenschaftlich dokumentiert ist, weigert sich die Türkei bis heute, dieses Verbrechen beim Namen zu nennen. Wer an diesen Völkermord erinnert, kann nach Artikel 312 des türkischen Strafgesetzbuchs des Landesverrats angeklagt werden. Im Gebiet des Tur Abdin in der Südosttürkei folgten in den Jahren 1926 bis 1928 weitere Massenexekutionen und Vertreibungen an Christen. Diese Verfolgung dauert bis heute an. Gegenwärtig geraten die Christen der Südosttürkei insbesondere in den Kämpfen zwischen den türkischen Militärs und der PKK, sowie islamischen Fundamentalisten zwischen alle Fronten und werden aufgerieben. Waren Anfang des 20. Jahrhunderts noch 20% der Türken Christen, so sind das heute bloß noch 0,2%. Allein 46% der Einwohner der Stadt Istanbul waren um 1900 Christen, heute stellen die Christen in der größten Stadt der Türkei gerade einmal 1% der Bevölkerung. Die Christen in der Türkei verteilen sich auf eine Fülle verschiedener christlicher Konfessionen. Mit die größten Gruppen stellen dabei die orthodoxen armenisch-apostolischen Gläubige und die syrisch-orthodoxe Christen. Der Tur Abdin als Heimat der syrisch-orthodoxen Christen Der Tur Abdin liegt in der Südosttürkei zwischen dem Tigris im Norden und Osten, der türkisch - syrischen Grenze im Süden und Mardin im Westen:
Er ist ein wasserarmes, hügeliges Hochland (800 – 1100 m) aus Kalk- und Basaltgestein. Hauptort des Tur Abdin ist Midyat. Die wichtigste Erwerbsquelle ist die Landwirtschaft. Den Namen TUR ABDIN ("Berg der Knechte Gottes") erhielt das Land von den ca. 80 Klöstern, die meist abseits von den Dörfern lagen. Die ersten Christen ließen sich in Antiochien, der heutigen Türkei nieder, die das wichtigste Zentrum für die Missionierung in West und Ost wurde. Schon im 4. Jahrhundert bezeugt die Gründung der ersten Klöster im Tur Abdin ein tiefes spirituelles Leben. Ursprüngliche Sprache der Christen des Tur Abdin ist bis heute Aramäisch, die Sprache, mit der auch Jesus Christus sprach. Zentrum des religiösen Lebens im Tur Abdin ist das Kloster Mor Gabriel. Es wurde im Jahre 397 von den Heiligen Samuel und Simeon gegründet und ist seither mit Ausnahme von zwei kurzen Perioden, als Hunger und Krieg zur Flucht zwangen, von Mönchen bewohnt. Während vor hundert Jahren noch etwa eine Million syrische Christen im Tur Abdin lebten, sind dies heute noch ungefähr 3000 Christen, die vor allem der "Syrisch - orthodoxen Kirche von Antiochien" angehören. Die Mehrheit der Bevölkerung ist muslimisch. Im Tur Abdin gibt es heute 32 Dörfer mit christlichen Bewohnern. Weitere sechs Klöster sind noch bewohnt, und in 42 Kirchen, die von 15 Priestern betreut werden, finden Gottesdienste statt. Das Kloster Mor Gabriel beherbergt heute den Bischof, ca. 5 Mönche, 12 Schwestern und 40 Schüler von den umliegenden Dörfern und weiteres Personal, insgesamt etwa 70 Personen.
Menschenrechtsverletzungen an Christen im Tur Abdin Die türkische Verfassung kennt keinen Minderheitenbegriff; in den Art. 3 und 5 ist von einer unteilbaren Einheit von Land und Nation die Rede. Wesentlicher für die Stellung der christlichen Minderheiten als die Verfassung ist der Friedensvertrag von Lausanne vom 24. Juli 1923, beschlossen vom früheren Völkerbund. Er enthält in der Sektion III Aussagen zum Schutz der "nicht - muslimischen Minderheiten" in der Türkei, sowohl von Gruppen als auch Einzelner. Zu diesen Minderheiten gehören auch die religiösen, also auch die christlichen Minderheiten. Jedoch werden nach der staatlichen türkischen Interpretation nur Griechen, Armenier und Juden als Minderheit anerkannt. Auch ist der Begriff der Religionsfreiheit individuell gefasst; kollektive Veranstaltungen geraten hierbei leicht unter Separatismusverdacht. Auch in letzter Zeit sind immer wieder massive Menschenrechtsverletzungen an Christen im Tur Abdin seitens amnesty international beklagt worden. Beispielsweise wurde 1993 das Dorf Zaz (türkisch: Izbirak) bei Midyat überfallen; vier syrisch-orthodoxe Dorfbewohner wurden festgenommen und gefoltert. Ähnliche Misshandlung oder Folter in Polizeihaft erlebten im Juni 1996 drei Christen in Midyat. Melke Tok, ein 60-jähriger syrisch-orthodoxer Priester wurde im Januar 1994 vermutlich von Dorfschützern oder islamischen Fundamentalisten entführt, als er in einem Kleinbus auf dem Weg zu einer Hochzeitsfeier war Der Stadtteilbürgermeister von Midyat, Yakup Matte, und der letzte christliche Arzt des Tur Abdin, Dr. Edward Tanriverdi, wurden 1994 ermordet. In keinem der Mordfälle an Christen ist jemals ein Täter ermittelt und zur Verantwortung gezogen worden, weshalb sich die Christen im Tur Abdin schutzlos den Übergriffen ausgeliefert fühlen. Zahlreiche Dörfer wurden in den vergangenen Jahren „geräumt“, die Bewohner wurden zu Flüchtlingen gemacht. Seit 1980 wurden in der Umgebung von Diyarbakir und Mardin annähernd 20 syrisch-orthodoxe Mädchen von Muslimen entführt. Aufgrund dieser massiven Repressalien fehlen in den Siedlungsgebieten des Tur Abdin Priester, Lehrer und Ärzte. Vor allem viele junge Christen wandern in westliche Länder ab. |
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