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MAS`UD vom Tur Abdin (Mas`ùd d-Íùr Ødæn)
MAS`UD vom Tur Abdin (Mas`ùd d-Íùr Ødæn), syrisch-orthodoxer Mönch und Verfasser von Schriften spirituellen und theologischen Inhalts (15. Jh.). - Biographische Angaben zu Mas`ud lassen sich allein aus einer Notiz seines Schülers `Azæz erheben, die dieser in eine von ihm angefertigte Abschrift der Werke seines Lehrers eingefügt hat (Autograph: Notre-Dame des Semences 256 [Vosté 1929, 97 = cod. 130 bei Scher 1906, 71 und folglich auch bei Baumstark, 327]; - ediert von Vosté 1936, 5-17 [mit franz. Übers.] und van Helmond 1942, 73*-86* [mit lat. Übers.]; - weitere Handschriften mit Werken Mas`uds bei Macuch, 16 Anm. 47). Demnach dürfte Mas`ud um 1430/31 geboren worden sein. 1452/53 trat er ins Kreuzkloster bei ·Øç im Tur Abdin (in der heutigen Südosttürkei) ein, wo er sich nach zweijährigem Noviziat und dreijährigem Leben in der Gemeinschaft 1457/58 als Eremit in eine Höhle zurückzog. Auch als er 1462/63 zum Vorsteher seines Konvents bestellt wurde, behielt er seine Lebensform als Rekluse bei. Dennoch entfaltete er eine rege monastische Reformtätigkeit, die sich insbesondere in der Wiederherstellung bzw. dem Neubau zahlreicher Klöster und Kirchen in der Region bemerkbar machte. 1480/81 wurde er schließlich zum Bischof von »Zargel, Arzun, Se`ert und ·ión Kæfa« geweiht, wobei er den Namen Basilius annahm und im Cyriacus-Kloster bei Zargel residierte. Da die biographische Notiz des `Azæz an dieser Stelle endet, läßt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob er mit jenem Mas`ud von ZØz identisch ist, der 1491 zum (schismatischen) Patriarchen Ignatius Mas`ud II. gewählt wurde und nach einem äußerst bewegten Leben gegen 1512 verstarb. - Nach Auskunft von `Azæz handelt es sich bei den erhaltenen Werken Mas`uds um Ansprachen, die dieser auf Wunsch seines geistlichen Vaters Dionysius als Rekluse im freien Vortrag gehalten hatte und die außerhalb seiner verschlossenen Höhle mitgeschrieben wurden. Die überlieferte Sammlung dieser Vorträge wurde von Mas`ud »Buch des geistlichen Schiffes« genannt, weil die Mönche mit Hilfe des Buches »sicher in den Hafen der Leidenschaftslosigkeit und in das Himmelreich« gelangen sollten (van Helmond 1942, 75* Z. 5-7). Von den darin befindlichen Schriften wurden bislang ediert: Ansprachen über den Johannes-Prolog, die geistliche Freude (Vosté 1936, 20-30; mit franz. Übers.) und die Geistesruhe (van Helmond 1946, 356-365; mit lat. Übers.), sowie der umfangreiche Traktat »de Trinitate et de distinctione atque unitate, et de oeconomia Domini nostri, et de muneribus et donis et virtutibus divinis, quae traditi sunt per ipsam creaturis omnibus, angelicis et humanis« (van Helmond 1942, 3*-70*; mit lat. Übers.). In der Gotteslehre und der Christologie vertritt Mas`ud den severianischen Monophysitismus seiner Kirche, zeigt sich darüber hinaus aber noch tief beeinflußt vom Traditionsstrom, den das pseudo-dionysische Schrifttum im syrischen Raum nach sich gezogen hatte. Mas`uds Aussagen über Adam, seine Erschaffung und Erlösung, lassen ferner den Einfluß apokrypher Schriften wie der »Schatzhöhle« erkennen. Insgesamt ermangeln Mas`uds Schriften nicht einer gewissen Originalität und geistigen Tiefe; sie sind dazu angetan, das landläufige Urteil zu widerlegen, wonach das geistige Leben unter den orientalischen Christen nach dem Mongolensturm völlig erstorben wäre.

Lit.: Addaï Scher, Notice sur les manuscrits syriaques conservés dans la bibliothèque du couvent des Chaldéens de Notre-Dame-des-Semences, JA 10/8 (1906), 55-82; - Jacques Vosté, Catalogue de la bibliothèque syro-chaldéenne du couvent de Notre-Dame des Semences près d'Alqoè (Iraq), Rom-Paris 1929; - ders., Mas`oud de Íour e siècle, Muséon 49 (1936) 1-30; - B. L. van Helmond, Mas`oud du Íour `Abdin. Un mystique syrien du XVe siècle, Étude et texte (Bibliothèque du Muséon 14), Louvain 1942; - ders., Une conférence inédite de Mas`oud du Íour `Abdin sur le recueillement, Muséon 59 (1946) 353-365; - Ignatius Aphram I. Barsaum, Histoire des sciences et de la littérature syriaque, Aleppo 19562 [= Glane/Losser 1987], 42. 93. 109. 124. [arab.]; - ders., MaktØØnùøØ Ü-`al ØørØ Ü-Íùr `AØdæn, Glane/Losser 19852, 147 [syr.]; - Rudolf Macuch, Geschichte der spät- und neusyrischen Literatur, Berlin-New York 1976, 16 f. 22; - Jean-Maurice Fiey, Diocèses et évêques syriaques occidentaux du Íùr `Abdæn après le XIIIe siècle, PdO 10 (1982) 257-284 (bes. 261. 265. 277); - Helga Anschütz, Die syrischen Christen vom Tur `Abdin. Eine altchristliche Bevölkerungsgruppe zwischen Beharrung, Stagnation und Auflösung (Das östliche Christentum N. F. 34), Würzburg 1984, 121; - Baumstark, 327.

Karl Pinggéra